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Brot und Böller

Man erkennt, daß das Jahr sich dem Ende zuneigt, wenn allerorten wieder gerechnet wird: wie viel Lebensmittel, Medizin oder Bildung geht dieses Jahr wieder in Rauch auf in der Silvesternacht?
Eine Rechnung die es durchaus wert ist, gemacht zu werden – und dennoch eine, die mich stets aufs Neue anwidert. Nicht ihrer selbst wegen, sondern rein aufgrund der Darreichungsform, dem moralinsauren Unterton des schlechten Gewissens der den Spaß an der Silvesterfeier mit dem Elend der Welt zu verknüpfen sucht.

Photo: Florian Rommerskirchen CC BY-SA 2.0 DE

Nun ist die Knallerei zum Jahreswechsel in der Tat ein teures und ausgesprochen kurzes Vergnügen, und der Gedanke sie sich zu Gunsten einer Spende zu verkneifen liegt nahe. Die Vehemenz jedoch, mit der dieser Gedanke in die Welt getragen wird ist bemerkenswert. Man mag dies als reines Exempel betrachten für all die anderen Dinge, die man sich genauso gut verkneifen könnte. Brot statt Netflix, Brot statt Beethoven, Brot statt Mallorca, Brot statt Buchhandel oder Brot statt Kneipe.
Ich hege dennoch Zweifel an der Wirksamkeit, denn die Atmosphäre des Schändlichen, die sich hier über das Vergnügen legt, erzeugt auch Frust und Trotz und verdirbt die Freude am Helfen – und letztendlich auch die Bereitschaft.  Möchten wir wirklich bei jeder Flasche Wein, jedem Ausflug am Wochenende und jedem Mitbringsel die Rechnung im Kopf schwirren haben, wie viele Schulstunden in Afrika man davon hätte finanzieren können?

Hilfe sollte von Herzen kommen, und Hilfe sollte uns glücklich machen. Nur zu spenden um sich weniger schlecht zu fühlen ist immer der am wenigsten nachhaltige Weg.
Wie wäre es einfach mal mit Brot und Böller?

P.S.: Es gibt sicherlich noch andere Gründe, kein Feuerwerk zu veranstalten – z.B. Lärm und Dreck. Aber auch hier gilt: alles, was wir zusätzlich zum Existenzminimum tun belastet die Umwelt auf die ein oder andere Weise, jedes Stück Kuchen zum Kaffee und jeder Besuch bei der Familie, selbst das Lesen dieser Zeilen hat einen ökologischen Fußabdruck.
Ein umfassendes Bewusstsein für unsere Auswirkungen auf die Natur hilft hier mehr als die Verteufelung eines einzigen Events.