Grenzen verwischen

In einem waren die Pastafari schon immer gut: kaum eine andere Gruppe hinterfragt religiöse Privilegien mit derart gelassener Selbstverständlichkeit und Subtilität. Geboren aus dem Protest heraus haben sie es sich zu eigen gemacht, für ihre selbstgebastelte Religion all die Rechte und Vorteile einzufordern, die den althergebrachten Religionen bereits zustehen. Damit nötigen sie die Gesellschaft immer und immer wieder, darüber nachzudenken, was denn die Legitimation der einen Religion überhaupt von der der anderen unterscheidet – was zwangsläufig dazu führt, entweder den Pastafarianismus als gleichwertig anerkennen oder aber konkrete Regeln aufzustellen zu müssen, wann und warum denn nun genau eine Religion eine ist und wann nicht.

Um Letzterem zu entgehen, gehen die Behörden zumeist den Weg des geringsten Widerstands, und machen Zugeständnisse. Hierdurch offenbaren die Pastafari die ganze Absurdität des Systems staatlich sanktionierter Religionsprivilegien – unterm Strich muss man bei Licht betrachtet jede noch so wirre Idee unter Schutz stellen, wenn sie denn nur als Religion verkauft wird.

Jüngstes Mosaiksteinchen in diesem Bestreben sind vier kleine Schilder. die seit heute die Ortseingänge von Templin in Brandenburg zieren. Auf ihnen wird Vorbeifahrenden mitgeteilt, wann die pastafarische Nudelmesse abgehalten wird – ganz so, wie es für die christlichen Kirchen vielerorts ebenfalls üblich ist.

Nudelmesse

Hinweistafel an der Zehdenicker Straße

Ich wage zu spekulieren, daß dies nicht ohne ein Echo aus den Reihen der alteingesessenen Religionsgruppen und ihrer Sympathisanten bleiben wird. Und das ist gut so, denn es lenkt den Blick wieder genau dorthin, wo ihn Bobby Henderson 2005 haben wollte: auf die Frage, was uns eigentlich dazu veranlasst, bestimmten Religionen Sonderrechte und Privilegien einzuräumen – und wie sich das in einer zunehmend säkularen Welt überhaupt noch rechtfertigen lässt.

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