Oben Schwarz, unten Grün

Ich habe die Grünen ob ihrer fragwürdigen Positionen zum Thema Menschenrechte mehr als nur einmal kritisiert – zuletzt, weil sie selbst ihre Inkonsequenz nicht konsequent einzuhalten vermögen. Als völlig unbrauchbar mag ich sie allerdings doch noch nicht abtun, denn obschon das Pflänzchen „Die Grünen“ in den letzten Jahrzehnten verholzt und knorrig geworden ist, so ist der grüne Geist noch am Leben.

Nicht in der Parteispitze, die sich mehr und mehr zu einer Karikatur ihrer selbst entwickelt und heute oftmals mehr an die CSU erinnert als an die strickenden, langhaarigen Abgeordneten der Anfangsjahre. Es sind die Wurzeln der Partei, die noch tief im fruchtbaren Boden des Respekts vor Menschenrechten und Gleichbehandlung verankert sind.
Ein auf der Vollversammlung des Bundesweiten Arbeitskreises Säkulare Grüne in Münster im vergangenen Juni beschlossenes Positionspapier nimmt klar Stellung zu Kinderrechten – und steht damit im krassen Widerspruch zum religiös-traditionell geprägten Flügel der Partei. Wo die Parteiprominenz – eine besondere Erwähnung verdient sich an dieser Stelle Volker Beck – noch immer mit breiter Brust die Rechte von Kindern relativiert und als Verhandlungssache betrachtet, die man dem Wohlwollen klerikaler Funktionäre nur allzu gerne opfert, spricht der AK Säkulare Grüne hier eine viel realistischere Sprache.
„Menschenrechte gehen Religionsauffassungen und Traditionen vor“, steht dort zu lesen, „Keine Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen – für alle muss Schutz garantiert sein“ und „Das Freiheitsrecht Selbstbestimmung auch bei Kindern achten“.

Forderungen, die dem Bild, daß die Grünen – immerhin selbsterklärte Menschenrechtspartei – so gerne von sich selber zeichnen, voll und ganz entsprechen. Es bleibt zu hoffen, daß dieses Bild auch wieder Einzug in die real existierende Grüne Politik halten kann, aus der es mehr und mehr zu verschwinden im Begriff ist.

Wäre ich ein Pessimist, so würde ich nahe legen, daß die mangelnde Solidarität der wortgewaltigen grünen Traditionalisten um Herrn Beck mit kleinen religiösen Gruppen wie den „12 Stämmen“ und die ausbleibenden Rechtfertigungen für die Kultur der Bukusu in einer tief verwurzelten Verachtung begründet liegen, daß sie Minderheiten nicht wertschätzen und fremde Kulturen als minderwertig einstufen, wenn sie keine Wählerstimmen beschaffen können.

Wäre ich Optimist, so würde ich vermuten, daß eben diese Stille auf einer Einsicht beruht, der Einsicht, daß das, was in dem Positionspapier gefordert wird, richtig ist, und man nun heimlich, still und leise zurückrudert, um nicht noch mehr Gesicht zu verlieren.

Als der Realist, der ich nun aber einmal bin, denke ich, daß die Grünen wie ein lang gewachsener Grashalm sind, dessen Spitze sich zu weit von den Wurzeln entfernt hat, zu weit, um noch mit jenem Wasser versorgt zu werden, das die starken Wurzeln aus dem Boden Grüner Daseinsberechtigung ziehen.
Die Spitze des Grashalms ist verdorrt, und für die Pflanze nur noch Ballast, der sie unansehnlich werden lässt. Es wird Zeit zu mähen.

 

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