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Fußangeln

… oder die neue Grüne Wirklichkeit

Die Mitgliederversammlung der Grünen Jugend beschloss auf dem 41. Bundeskongress Anfang November einen Antrag zu Kinderrechten.

Viele schöne Zeilen gab es zu lesen:

Von einer Gesellschaft, in der Kinder nicht nur als Schutzbefohlene ihrer Eltern gesehen, sondern als eigene Individuen mit eigenen Interessen wahrgenommen werden, sind wir allerdings noch weit entfernt.

Die GRÜNE JUGEND fordert, dass diese Kinderrechte in das Grundgesetz aufgenommen werden.

Neben unseren Forderungen für mehr Mitbestimmung schon im Kindesalter, (…) legen wir einen Hauptaugenmerk auf die körperliche und seelische Unversehrtheit von Kindern.

Die GRÜNE JUGEND lehnt jegliche Gewalt ab, besonders die an Kindern¹.

Insgesamt ist der Text ein Meisterwerk der Einsicht – wäre, ja wäre da nicht diese kleine 1 nach der letzten hier zitierten Zeile. Auch bei der Grünen Jugend geht nichts ohne Fußnoten, das ist für sich nicht verwunderlich – doch diese hat es in sich.

Wer am Ende des Antrags angekommen, mit zufriedenem Blick und Wohlwollen das Kleingedruckte liest, vollführt einen kühnen Kopfsprung hinab vom Turm der blumigen Forderungen tief ins kalte Nass der neuen Grünen Wirklichkeit.

Die Zeile Die GRÜNE JUGEND lehnt jegliche Gewalt ab, besonders die an Kindern¹  wird dort mit folgender Bemerkung versehen: ¹: Explizit wird hier das Thema religiöse Beschneidung von biologisch männlichen Kindern ausgeklammert. Der Antrag hat nicht den Anspruch zu dieser kontroversen Debatte irgendeine Position zu beziehen.

Gewalt an Kinder lehnt man also ab – außer, wenn es hierbei um religiöse Beschneidungen geht (die also von der Grünen Jugend durchaus als Gewalt klassifiziert werden – sonst wäre dieser Verweis nicht an genau dieser prägnanten Stelle gelandet). Die Fußnote wandelt sich zur Fußangel.

Hier wird Gewalt nach Geschlechtern und den Umständen getrennt, unter denen sie geschieht – unfassbar in der heutigen Zeit, sollte man meinen. Doch die Grüne Jugend ist sich für eine solch eklatante Bigotterie keineswegs zu fein, und „bezieht keine Position“ zur Gewalt an Kindern – wenn man ihnen nur einen passenden Grund liefert.

Damit fällt der ganze schöne Antrag in sich zusammen wie ein Kartenhaus, und die Grüne Jugend stolpert über die Fußangeln, die sie sich selbst ausgelegt hat. Was soll man noch glauben, wenn an einem so brisanten Punkt Ausnahmen gemacht werden – noch dazu wenn sie so sexistisch sind und explizit Jungen ausklammern ? Wenn der Kern der Kinderrechte zur Disposition gestellt wird, weil man sich einem kontroversen Thema nicht stellen will ? Welches Recht wird als nächstes relativiert, um ja nirgends anzuecken ?

Das fügt sich nahtlos in die aktuelle Linie der Partei ein, und offenbart die wahre Gestalt Grüner Politik, die sich hinter der schönen Scheinwelt vollmundiger Forderungen verbirgt. Im Grunde will man ja die Kinder schützen … nur eben nicht um jeden Preis. Auf dem Preisschild, daß man dort an die Vorhäute der kleinen Jungen heftet, prangen die Wählerstimmen aus dem religiösen Lager – seien es nun die der Muslime, Juden oder Christen, und den Gutmenschen, die bereit sind, das Grundgesetz jedem zu Opfern, der nur laut genug danach verlangt. Kinderschutz gegen Widerstände durchzusetzen ist wohl auch von den einst rebellischen Grünen zu viel verlangt. Man verlangt lieber nach Veränderungen, die so oder so schon weitgehend akzeptiert sind. Unter dem Deckmantel der Völkerverständigung, Integration und Multikulti werden hier – genau wie in anderen Parteien auch – die Kinder wieder zur Ware. Wegsehen bei Gewalt im Tausch gegen Mandate.

Ich kann mich nicht entsinnen, wann mich Grüne Politik jemals auch nur ansatzweise so angewidert hat.